Es ist still

Ich strecke die Arme aus. Der Wäschekorb ist so noch schwerer, meine Arme zittern. Aber ich kann die Stufen genau sehen. Kann den Stellen ausweichen, an denen das Holz ächzen wird. Ich steige vorsichtig hinab.

Ich stelle den Wäschekorb auf die Wiese. Nehme ein Handtuch heraus. Schaue hinauf zu den Fenstern. Sie sind geschlossen. Ich schüttle das Handtuch aus, schüttle es kräftig, lasse es knallen und klammere es fest. Dreizehnmal knallt es über den Wäscheplatz, durch den Garten, durch die Apfel-, Birn- und Kirschbäume in die Nachbarsgärten hinein. Die Fenster vibrieren. Meine Augenlider arbeiten. Sie schützen die sensiblen Organe vor den Splittern, den Fasern der Explosionen, zucken dem Echo provisorisch entgegen.

Der Obstpflücker hängt an zwei Nägeln zwischen Spaten, Schaufel, Hacke, Heu- und Laubrechen. Die Systematik ist wichtig, sie ist empfindlich. Veränderungen gefährden die Harmonie. Ich nehme den Pflücker herunter. Staub rieselt von dem Balken, an dem die Nägel angebracht sind, flimmert im schummrigen Licht der Garage.

Es ist ganz einfach. Ich kann es! Ich fahre hinauf in die kleine Krone. Zupfe einen Apfel ab. Er fällt in den Fangbeutel. Er hat keine Fraßstellen, aber um den Stiel herum ist er berostet und ein Stück Zweig hängt noch an ihm. Die Fenster spiegeln stumm. Ich sehe es im Augenwinkel. Drinnen ist es dunkel. Ich lege den Apfel in den Wäschekorb. Stelle den Pflücker in irgendeine Ecke der Garage.

Ich lasse mir Badewasser ein. Schließe die Türen nicht ganz. Höre dem Wasser beim Poltern und Gurgeln zu, während ich den Abwasch einräume. Ein Topf rutscht herunter, rasselt ins Spülbecken, rotiert, schabt über den Beckenboden. Er braucht unheimlich lange, um zur Ruhe zu kommen. Ich ziehe den Kopf ein. Beiße die Zähne zusammen. Der Topf schabt mir über die Zähne, schleift bis hinunter auf die Nerven. Aber der Fernseher ist zu laut. Und dunkel rauscht das Wasser. Drüben wird es nicht zu hören sein. Ich verlasse die Deckung. Die Zähne heilen.

Ich lasse das Wasser in mich einsickern. Meine Haut wird schrumpelig wie noch nie. Manchmal lehne ich mich vor und lasse heißes Wasser nachlaufen. Ich drehe es ganz leicht auf und dann, mit einer Drehung mehr, stürzt es wieder krachend hinunter. Der Schaum türmt sich vor mir. Ich drehe den Hahn wieder zu. Der Spiegel ist beschlagen. Ich höre dem Schaum beim Knistern, beim Verschwinden zu. Der Apfel glänzt feucht auf der Waschmaschine. Manchmal, wenn ich mich etwas auf die Seite drehe, um den Kopf, die Wange auf den kühlen Wannenrand zu legen, rutsche, schrubbe und quietsche ich mit dem Hintern über den Wannenboden. Das geht durch die Wände. Das hören noch die Lohmanns unten.

Mit schrumpeligen Fingern nehme ich dein Gemüsemesser aus der Schublade. Schneide meinen Apfel damit auf. Fahre mit der Klinge noch einmal über das Fleisch des Apfels. Die Süße sickert in die Poren des Metalls. Dann lege ich das Messer auf die Arbeitsfläche, in die Abendsonne. Vielleicht verstärkt die Sonneneinstrahlung die chemische Reaktion. Vielleicht wird es süßlich, vielleicht sogar säuerlich riechen und schmecken. Noch nach dem dritten Abspülen wird es die Gurke, den Kohlrabi beeinträchtigen.

Ich stelle den Teller mit den Apfelstücken sachte auf die Kacheln des Couchtisches. Setze mich auf die stille, die nicht knarrende, auf meine Ecke des Sofas. Ich schalte den Fernseher aus. Die Röhre surrt einen Moment nach. Dann haucht sie knisternd ihr Leben aus. Es ist es still. Ich schaue aus dem Fenster. Der Wind zerrt an den gelben Blättern der Birke. Manchmal gibt der Baum einige preis, lässt sie gehen. Wolken ziehen auf. Regen trommelt sachte gegen das Fenster. Dann klart es wieder auf. Die Birke glänzt feucht und golden. In der Dämmerung rücke ich an deinen Sessel heran. Ich lehne mich hinüber, berühre den Stoff des Sitzkissens, fahre in die Mulde hinab, der Stoff ist dort glatt und kalt. Dann ziehe ich mir den Teller heran, lasse ihn über die Kacheln schleifen, nehme mir eines der bräunlich gewordenen Apfelstücke, führe es zum Mund und beiße ganz nah an deinem Ohr hinein.